Trauma Information für Aktivist innen
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Trauma information für aktivist_innen über posttraumatische belastungsstörung (ptbs)
Einer der erstaunlicheren aspekte von politischem aktivismus ist, dass wir uns oft ganz bewusst brutalität aussetzen, wenn wir es für nötig halten. ebenso erstaunlich ist, wie wenig wir sowohl als bewegungen, als auch als individuen über die psychologischen folgen dieser gewalt wissen. daher müssen wir uns für den umgang mit den physischen und emotionalen folgen vorbereiten und gegenseitig unterstützen.
die meisten menschen, die gewalt erfahren, bekommen keine ptbs, 20-30% der menschen entwickeln allerdings eine reihe der unten beschriebenen symptome. ptbs ist eine normale reaktion auf außergewöhnliche umstände. einmal erkannt, stehen glücklicherweise effektive behandlungsmethoden für ptbs zur verfügung, eine spannbreite von alternativer medizin zu eher konservativen behandlungen. dazu hin kann das wissen über die thematik und persönliche vorbereitung die gefahr, eine ptbs zu bekommen, reduzieren.
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Was ist Posttraumatische Belastungsstörung?
die diagnose der ptbs beinhaltet einer extremen situation ausgesetzt gewesen zu sein und in der folge davon eine charakteristische reihe von symptomen aufzuweisen, die über mindestens einen monat, aber wesentlich länger anhalten können.
diese situation können bedeuten: von der polizei angegriffen werden, vergewaltigt oder bedroht werden, schwere unfälle, sexualisierte gewalt, der plötzliche unerwartete tod eines geliebten menschen oder das miterleben einer traumatischen situation. in letzter zeit haben therapeut_innen begonnen, den begriff der "komplexen ptbs" zu verwenden, was bedeutet, dass die betroffene person einer reihe von extremsituation ausgesetzt war (ist), wie zum beispiel die arbeit bei der feuerwehr, gefoltert werden oder, möglicherweise, das leben als aktivist_in.
Symptome
Eine person mit ptbs hat drei hauptkategorien von symptomen:
- das wiedererleben des traumas
- angezeigt durch
- wiederholtes nachdenken über das ereignis
- flashbacks, intrinsische bilder (das wiedererleben des ereignisses im wachzustand)
- albträume (das ereignis oder andere erschreckende bilder tauchen wiederholt in träumen auf)
- heftige emotionale und physische reaktion auf dinge, "auslöser", die die person an das ereignis erinnern. (auslöser können auch in kleinigkeiten wie einem geruch, einer geste bestehen, die nicht bewusst wahrgenommen, und schwer als auslöser erkannt werden können)
- vermeidung und emotionale betäubtheit
- angezeigt durch
- vermeidung von allem, das die person an handlungen, orte, gedanken, gefühle oder unterhaltungen erinnert, die in verbindung mit dem trauma stehen.
- verlust von intresse "am leben", an sex und bei einigen kann der eindruck entstehen, dass aktivismus sinnlos ist
- sich verbindungs-, beziehungslos fühlen, zurückziehen und soziale interaktion und kontake meiden
- begrenztes gefühlsleben, sich betäubt und abgeschnitten fühlen
- gesteigerte erregtheit
- angezeigt durch
- schlafschwierigkeiten oder ungewöhnlich viel schlafen
- gereiztheit oder wutausbrüche, oft ausgelöst durch kleinigkeiten
- schwierigkeiten sich zu konzentriere oder alltägliche handlungen auszuführen
- erhöhte wachsamkeit, "überall" gefahr fühlen oder sehen, nicht notwendiger weise in verbindung mit dem ursprünglichen ereignis.
- übertriebene schreckreaktionen, z.b. in deckung gehen, wenn luftballon platzt
Andere Probleme im Zusammenhang mit ptbs?
die drei oben beschriebenen symptomkategorien sind die am weitesten verbreiteten im zusammenhang mit ptbs. es gibt aber noch andere auch verbreitete probleme. oft werden sie besser, wenn die ptbs behandelt wird, sie können aber auch zusätzliche behandlung erfordern.
- panik attacken / angstzustände
- starke gefühle von angst und unwohlsein, wenn etwas an das trauma erinnert (z.b. polizist_innen, besonders bereitschaftspolizei), begleitet von physischen und psychologischen symptomen. physische symptome beinhalten: herzklopfen oder -rasen, schweißausbrüche, zittern, atemnot oder würgen, schmerzen in der brust, überlkeit, schwindel, kälte- oder hitzewellen, betäubtheit. die psychologischen symptome können sein: sich nicht wirklich oder beziehungslos fühlen, angst, verrückt zu werden, zu sterben oder einen herzanfall zu haben.
- schwerwiegendes vermeidungsverhalten
- vermeidung kann sich auf alle lebensbereiche ausdehnen, so dass die person das haus praktisch nicht mehr verlässt.
- depression
- einige menschen bekommen depressionen nachdem sie ein trauma erlebt haben und verlieren das intresse und die freude an dingen, die sie früher genießen konnten. sie können auch ungerechtfertigte schuldgefühle entwickeln, den eindruck haben, das trauma wäre ihr schuld - selbst wenn das eindeutig nicht stimmt. zum beispiel könnte ein_e aktivist_in sich dafür die schuld geben, von der polizei angegriffen worden zu sein oder nicht verhindert zu haben, daß ein_e andere_r geschlagen wurde. oder ein_e aktivist_in könnte zu dem schluß kommen "alles ist so schlimm und wir können nichts daran ändern - also was soll das alles?"
- selbstmordgedanken
- depressionen können so ernsthaft werden, dass die person zu der ansicht kommt, nicht länger leben zu wollen. studien zeigen, daß 50% der von vergewaltigung betroffenen von selbstmordgedanken berichten. wenn du oder eine dir bekannte person an selbstmord denkt, muss auf der stelle professionelle hilfe gesucht und sich um die nötige unterstützung gekümmert werden, darüber hinweg zu kommen.
- suchtverhalten
- die person kann versuchen durch suchtverhalten den schmerz und die verzweiflung zu betäuben. suchtverhalten verschlimmert das zu grunde liegende problem fast immer und macht eine erfolgreiche behandlung sehr schwer. auch wenn alkohol und andere drogen temporäre erleichterung versprechen, verschlechtern sie auf dauer den allgemein zustand.
- gefühle von isolation und entfremdung
- menschen mit ptbs brauchen unterstützung von freundeskreis und familie. oft entstehen gefühle von einsamkeit und isolation und es wird sehr schwer, nach hilfe zu suchen. betroffenen fällt es schwer zu glauben, dass andere verstehen können, was sie durchmachen. ptbs symptome können die sozialen fähigkeiten beeinträchtigen. schwierigkeiten und mißverständnisse in freundeskreis, beziehungen und familie sind nach einem schweren trauma sehr verbreitet. unter umständen benötigen die unterstützer_innen von betroffenen ihrerseits unterstützung.
- gefühle von misstrauen oder betrogen worden sein
- verlust des glaubens an andere menschen, das gefühl hintergangen oder betrogen worden zu sein, von der welt, dem schicksal oder gott. das trauma zu überwinden erfordert auch, auf menschen zu zu gehen und anderen zuzutrauen, dass sie verstehen. an dieser stelle ist die unterstützung von freund_innen und anderen aktivist_innen von grundlegender bedeutung.
- wut und gereiztheit
- wut und gereiztheit sind verbreitete reaktionen auf ein traumatisches erlebnis. angesichts der erlebten situationen sind gefühle von wut eine normale und angemessene reaktion. wenn die wut übergroß wird und das zusammenleben und die beziehung zu mitmenschen beeinträchtigt, kann sie belastend sein und die heilung erschweren. auch von kleinigkeiten ausgelöste wutausbrüche können auf fehlgeleitete wut wegen des traumas zurückzuführen sein.
- beeinträchtigung des funktionierens im alltag
- einige menschen haben u.a. konzentrationsschwierigkeiten oder grosse probleme, den alltag zu bewältigen. es kann passieren, dass sie / er sie fähigkeit verliert, normale, einfache aufgaben zu erledigen, und dadurch ihre frühren aufgaben nicht mehr erfüllen können.
Der normale ablauf nach einer außergewöhnlich belastenden situation?
die dauer der psychologischen auswirkungen kann stark variieren. einige erleben keine oder kaum folgen, andere können monate oder jahre an den folgen leiden und professionelle hilfe benötigen.
- leichte und nur kurz anhaltende auswirkungen
- einzelne symptome können auftreten, auch wenn die person sonst keine schwierigkeit hat. diese symptome sind oft nur leicht und gehen nach kurzer zeit von selbst weg.
- chronische ptbs
- wenn symptome über drei monate anhalten, wird die ptbs als chronisch bezeichnet. hat sich eine ptbs einmal entwickelt, wird sie vermutlich nicht von selbst besser. es ist angezeigt, sich sofort hilfe zu holen.
- verzögerte ptbs
- auch wenn die symptome einer ptbs gewöhnlicherweise direkt (oder einige wochen) nach dem trauma auftreten, erscheinen sie manchmal erst monate oder sogar jahre später. das kann vor allem an jahrestagen des traumas oder bei erneuter traumatisierung geschehen.
aber es gibt einige faktoren, die das risiko von traumatisierung erhöhen:
- die stärke des traumas
- die dauer
- die nähe der person zum ereignis
- die gefährlichkeit
- die anzahl der erlebten traumata
- ob das trauma bewusst durch andere Menschen erzeugt wurde (brutalität von polizist_innen oder gefängnispersonal)
- negative reaktionen von freund_innen und familie - darum ist gegenseitige unterstützung so wichtig
- die dauer bis sicherheit wiederhergestellt wurde (die ersten minuten und stunden können einen grossen unterschied machen)
die behandlungsmöglichkeiten von ptbs
gut informierte unterstützung ist die beste behandlungsmöglich, auch wenn in einigen schwerwiegenderen fällen die angemessene psychotherapie, selbsthilfegruppe oder sogar medikation notwendig sein können. es muss bedacht werden, dass ärzt_innen dazu angehalten werden, eher schnellwirkende medikamente, die die symptome hemmen, zu verschreiben, als langwierige kostspielige therapie. die meisten menschen erholen sich von ptbs durch die teilnahme an selbsthilfegruppen, psychotherapie oder alternativer medizin, während andere eine kombination von psychotherapie und medikation brauchen mögen.
alternative behandlungsmöglichkeiten
traditionelle chinesische medizin: eine der bekanntesten behandlungsmethoden ist akupunktur und akupressur. sie können angewendet werden zur vorbeugung, um bei guter gesundheit zu bleiben und bereit für aktionen/demos; und als behandlung nach dem ereignis, zur unterstützung der heilung von wunden. akupunktur wirkt nicht nur auf den körper. es kann das „shen“ oder die seele ebenso sehr unterstützen wie den körper. daher sind damit bei der behandlung von ptbs gute erfahrungen gemacht worden. versuche eine_n therapeut_in zu finden mit erfahrung in der behandlung von psychischen/seelischen schwierigkeiten. versichere dich, dass nur sterile nadeln verwendet werden.
andere alternative behandlungsmethoden, die bei der überwindung von ptbs hilfreich sein können, sind unter anderem: shiatsu, reiki, ganzheitliche massage, bachblüten therapie und yoga. nicht wenige aktivist_innen wenden solche an.
psychotherapie
es ist sehr wichtig, dass die/der therapeut_in erfahrung im umgang mit ptbs hat und hilfreich, wenn sie/er politisch nahestehend ist. die person, die nach hilfe sucht, befindet sich in einem geschwächten zustand, ein_e schlechte_r therapeut_in kann viel schaden anrichten.
drei arten von psychotherapie haben sich als besonders hilfreich zur behandlung von ptbs erwiesen :
- angstumgang
- kognitive therapie
- konfrontationstherapie
Angstumgang
beim angstumgang wird die/der therapeut_in dir die folgenden fähigkeiten beibringen, die dir helfen können, einen besseren umgang mit den symptomen der ptbs zu finden:
- Entspannungsübungen
- du lernst angst und furcht durch die systematische entspannung der größeren muskelgruppen zu kontrollieren
- atem übungen
- du lernst tiefe, ruhige bauchatmung zur entspannung und/oder vermeidung von hyperventilation, die unangenehme und oft auch beängstigende physische gefühle hervorruft (wie zb schwindel, flattern)
- positive gedanken und selbst beruhigung
- du lernst negative gedanken („ich verliere die kontrolle“) durch positive („ich habe es schon mal geschafft und ich werde es wieder schaffen“) zu ersetzen
- kommunikationsübungen
- du lernst, wie du deine wünsche, meinungen und gefühle ausdrückst, ohne andere zurück zu stossen
- gedanken stoppen
- du lernst, wie du dich ablenken kannst, um mit belastenden gedanken umzugehen (innerlich „stop rufen“)
kognitive therapie
die/der therapeut_in hilft dir, die irrationalen ansichten zu ändern, die deine gefühle belasten und es schwierig für dich machen den alltag zu bewältigen. zum beispiel fühlen sich trauma opfer oft unrealistischerweise schuldig, als hätten sie das trauma verursacht.
das ziel der kognitiven therapie ist es, dass du dir deiner eigenen grundlegenden gedanken bewusst wirst, die argumente für und wider abzuwägen und eine realistischere position anzunehmen, die dir helfen kann, emotional ausgeglichener zu werden.
konfrontationstherapie/desensibilisierung:
bei der desensibilisierung wird die/der therapeut_in dir helfen, dich mit einzelnen situationen, menschen, objekten, erinnerungen oder gefühlen zu konfrontieren, die dich an das trauma erinnern und nun unrealistisch heftige angst in deinem alltäglichen leben auslösen. das kann auf zwei arten erfolgen:
- konfrontation in gedanken
- die/der therapeut_in fpordert dich wiederholt auf, die traumatischen erinnerungen zu erzählen, bis sie keine hohe stressreaktion mehr aulösen.
- konfrontation in der wirklichkeit
- die/der therapeut_in hilft dir, dich situationen in deinem leben auszusetzen, die jetzt keine gefahr bedeuten, die du aber vermeidest, da sie starke angst auslösen (zb eine_n polizist_in nach dem weg fragen). die angst wird schrittweise nachlassen, wenn du dich zwingst, die situation auszuhalten statt ihr auszuweichen oder zu fliehen.
sich selbst informieren und selbsthilfegruppen
es ist sehr wichtig für menschen mit ptbs (und ihre familien und freund_innen), sich über die symptome von ptbs und die verschiedenen behandlungsmöglichkeiten zu informieren. auch wenn deine ptbs symptome schon lange anhalten, ist der erste schritt um sie unter kontrolle zu bringen, das problem und die verschiedenen lösungsansätze zu verstehen.
- gruppentherapie
- selbsthilfegruppen können ausgesprochen hilfreich sein, besonders wenn die gruppe aus menschen mit ähnlichen trauma erfahrungen besteht.
medikamente
eine anzahl verschiedener medikamente kann zur behandlung von ptbs eingesetzt werden. (behaltet im hinterkopf, dass sie alle von der pharma industrie produziert werden, um geld zu machen.)
die medikamente sind anti-depressiva, stimmungsaufheller und angst-hemmende mittel. berichte auf jedem fall deine_r ärzt_in von allen nebenwirkungen.
medikamentelle behandlung ist sinnvoll wenn:
- deine symptome schwerwiegend sind oder über einen langen zeitraum anhalten
- du noch andere psychische probleme hast (zb depressionen oder angstzustände), die es schwer machen, die ptbs zu überwinden
- du an selbstmord denkst
- du viel stress hast
- du große alltagsschwierigkeiten hast
- du eine psychotherapie gemacht hast, die symptome aber anhalten
- du für eine besondere situation fit sein musst (zb (d)einen prozess)
warum erhalten viele menschen keine angemessene behandlung
menschen mit ptbs suchen sich häufig keine professionelle hilfe und reden nicht darüber mit ihren freund_innen. das kann daran liegen, dass sie sich nicht im klaren darüber sind, ein problem zu haben oder dass das problem behandelt werden kann. außerdem gibt es eine natürliche tendenz, den umgang mit den unangenehmen gefühlen in verbidung mit dem trauma zu vermeiden. die ptbs typischen symptome, rückzug, schuldgefühle oder misstrauen, macht es schwierig für einige menschen, hilfe zu suchen und sich um behandlung zu kümmern.
Gibt es Wege, PTBS zu vermeiden?
es gibt möglichkeiten die symptome zu verringern oder abzuschwächen, aber einige menschen werden dennoch betroffen sein. von einigen aktivist_innen werden zum bespiel meditation, kampfsport oder andere östliche disziplinen wie tai chi oder chi gong angewendet zur vorbereitung auf und erholung von ereignissen, die traumatisieren können. das kann helfen, dich zu stabilisieren, zu fokussieren, dir selbstvertrauen zu geben und dich gegen angriffe zu verteidigen, sowohl gegen physische als auch gegen seelische angriffe.
sich der möglichen gewalt bewusst sein, auch wenn du nichts „falsches“ tust, ist wichtig und wird den überraschungseffekt reduzieren. gute, zeitnahe unterstützung kann helfen, die symptome zu lindern oder die entstehung von ptbs zu vermeiden. sich direkt danach körperlich verausgaben, kann helfen gespeichertes adrenalin abzubauen.
Wie kann ich mir selbst helfen?
um Dir selbst zu helfen, mit PTSD besser zurecht zu kommen, gibt es mehrere möglichkeiten:
- sprich mit anderen darüber
- stell dich ganz vorsichtig den situationen, die dich an die traumatische erfahrung erinnern
- suche professionelle hilfe
- falls dir medikamente verschrieben werden, achte darauf, nur die empfohlenen mengen einzunehmen und informiere die ärztin / den arzt über jegliche nebenwirkungen
- vermeide übermässigen genuss von alkohol und anderen drogen
- brich die behandlung nicht in der mitte ab und gib die hoffnung nicht auf
- versuch eine selbsthilfegruppe zu finden.
wenn du in situationen kommst, die traumatische erinnerungen wachrufen könnten wie zum beispiel protestaktionen oder demos PLANE deine unterstützung im voraus.
bereite deine freunde darauf vor, dass du hinterher darüber reden möchtest und den Bedarf hast, einfach etwas schönes zu machen. es ist auch eine gute idee, nach der aktion etwas freie zeit zur verfügung zu haben. du kannst auch deine gruppe dazu ermutigen, es dir gleich zu tun. vergiss nicht die "goldene stunde", von der ärzt_innen oft reden, diese kann entscheidend sein, um die emotionalen folgen des traumas zu verringern.
wie kann ich betroffenen helfen?
wenn du trauma-betroffene in dieser situation unterstützen willst, dann steh ihnen bei folgendem zur seite:
- an einen sicheren ort gelangen
- medizinische oder homöopathische hilfe bekommen
- gut essen und trinken
- aufmerksam angehört werden
- nicht alleine gelassen werden
- zu wissen, wie es möglicherweise betroffenen freunden oder familienmitgliedern geht
- sicher sein, dass in den nächsten tagen unterstützung zur verfügung steht
- sich bei allen gefühlen, die hoch kommen könnten, sicher fühlen können
- evtl. zu wissen, dass jemand die kinder betreut
- nicht irgendwelche neuen aufgaben und verantwortungen übernehmen
Es kann sein, dass als erste reaktion eines trauma-betroffenen kommt:
mir gehts gut, lass mich allein, ich muss...(meinen freund_innen helfen, meinen kram weiter machen, in einigen stunden zur arbeit, meine kinder beaufsichtigen, den leuten im knast helfen, zu der grossen after-protest-party gehen...)
wir können nicht oft genug betonen, dass es genau diese entscheidungen sind, die den unterschied zwischen einem monat und zehn jahren machen können, die es braucht, um sich von einer traumatischen erfahrung zu erholen. Es ist hilfreich für alle, die richtigen reaktionen auf traumatische erfahrungen im vorfeld zu diskutieren – mit unseren freunden, aktionsgruppen und zusammenhängen – und uns schon vorher auf einen umgang zu verständigen, egal, wie gut es uns in dem jeweiligen moment auch gehen mag.
Wie können freund_innen, bezugsgruppen und familie helfen?
emotionale unterstützung gewährleisten und zuhören! es kann für freund_innen und familie sehr schmerzvoll sein, jemanden, der/die einem so am herzen liegt, so leiden zu sehen. leider sind gutgemeinte ratschläge oft kontraproduktiv und führen dazu, dass sich die betroffene person nur noch stärker isoliert und allein gelassen fühlt. zweifellos ist es sehr verführerisch, einfach zu sagen: du musst das trauma hinter dir lassen, komm darüber weg und nimm dein leben in die hand. diese verständliche reaktion ist generell in dieser situation nicht hilfreich, sondern verschlimmert eher den zustand.
auf lange sicht sind die heilungschancen für betroffene grösser, wenn sie dazu ermutigt werden, den schmerz und die erinnerungen an die traumatische erfahrung mit anderen zu teilen. Es kann sein, dass die betroffene person wieder und wieder über das ereignis reden muss und das beste, was freund_innen und familienmitglieder tun können, ist geduldige und verständnisvolle zuhörer_innen zu sein. dadurch, dass sie in der lage sind, ihre gefühle mit anderen zu teilen, fühlen sich betroffene weniger allein.
freund_innen und familienmitglieder können wichtige emotionale hilfe leisten und ausserdem der person dabei helfen, unrealistische schuldgefühle zu überwinden, die sie in bezug auf die erfahrung haben könnten. es ist sehr wichtig, betroffenen klar zu machen: „es ist nicht deine schuld, du bist nicht allein und es wird wieder besser werden.“ zudem ist es wichtig, realistische erwartungen zu haben, wieviel von der betroffenen Person zu erwarten ist, während sie sich im heilungsprozess befindet und nicht zu viel oder zu wenig von ihr zu erwarten.
ermutige die betroffene person dazu, an einer PTSD-selbsthilfegruppe teilzunehmen. In einer gruppe mit anderen von trauma betroffenen menschen zu sein, kann betroffenen verstehen helfen, dass sie nicht alleine sind und sie lernen mit ihren symptomen zurecht zu kommen und ihre eigene heilung zu fördern.
informiere dich genau über PTSD. auf diese weise es ist dir besser möglich, verhaltensweisen zu verstehen, die sonst frustrierend oder schwierig im umgang sind. einige bücher sind am ende dieses texts aufgelistet. ermutige die betroffene person dazu, professionelle hilfe in anspruch zu nehmen. während der behandlung ist es möglich, dass die psychotherapeutin der/dem betroffenen helfen wird, mit den gefühlen in kontakt zu kommen, die durch die traumtische erfahrung entstanden sind. dies kann sich als sehr schwierig herausstellen und eine zeitweilige eerschlechterung der symptome nach sich ziehen. gerade in dieser zeit kann emotionale unterstützung von freund_innen und familie sehr hilfreich sein. es kann für betroffene sehr schwierig sein, die therapie nicht abzubrechen, besonders wenn die therapie darauf hinausläuft, sich erschütternden und aufwühlenden erinnerungen zu stellen.
ZUM ABSCHLUSS:
egal, wie lange du unter dem trauma gelitten hast, es gibt möglichkeiten, dir zu helfen und dein leben erheblich zu verbessern.
es ist wichtig zu akzeptieren, dass die therapie auch etwas von dir abverlangen wird – du wirst dich vielleicht an erfahrungen erinnern müssen, die du lieber verdrängst und es kann sein, dass du medikamente nehmen musst, die nebenwirkungen haben. Aber wenn du dich zu der behandlung verpflichtest und dabei bleibst, dann ist die chance gross, dass es dir bald besser geht und du deine lebensqualität zurückgewinnst.
PTSD ist sehr schmerzvoll, aber glücklicherweise ist es ein heilbarer zustand und die wahrscheinlichkeit, dass es dir bald besser geht, ist gross.
Weitere Hilfe und Informationen
activist_trauma@riseup.net Oder schreib an:
- Activist Trauma
- 16b Cherwell Street
- Oxford, OX41HE
http://www.activist-trauma.net
Aktivisten/Trauma-Webpage in den USA:
http://healingtrauma.pscap.org
empfohlene literatur
Judith Herman: Die Narben der Gewalt
Helen Kennerly: Overcoming Childhood Trauma
@nticopyright bitte kopieren und weiter verbreiten
- Es kann jedem und jeder passieren.
- Es bedeutet nicht, dass du schwach bist.
- Du hast das recht, dich so zu fühlen, wie du dich fühlst und es ist nicht nötig, dich dafür zu schämen oder zu denken: XY hat es viel schlimmer erwischt. du fühlst, wie du dich fühlst, es führt kein weg drumrum. du kannst es nur akzeptieren.
- PTSD kann bewirken, dass du denkst, du wirst nie wieder lachen können und dass du der einsamste mensch der welt bist. – das ist normal und es geht vorbei !
- PTSD kann bewirken, dass du dich dafür schuldig fühlst, was passiert ist. normalerweise ist es nicht deine schuld. es ist ihre brutalität, ihre repression!
- PTSD ist eine normale reaktion auf eine abnormale situation.